Was von der Osternacht übrig blieb…

Dienstag, 6. April 2010 22:16

Untertitel: Blick hinter die Kulissen eines Fernsehgottesdienstes

In der letzten Woche war das Bayerische Fernsehen in der Nünberger Lorenzkirche zu Gast. Zwei Gottesdienste sollten live übertragen werden, die Feier zum Gründonnerstag und die Lorenzer Osternacht. Dafür waren die Fernsehleute aus der Landeshauptstadt mit einer großen Truppe, mehreren Lastwagen, einer Handvoll Kameras, dutzenden Scheinwerfern und kilometerweise Kabel angerückt und hatten die altehrwürdige Lorenzkirche für mehrere Tage in etwas verwandelt, das große Ähnlichkeit mit einem Ameisenhaufen hatte – zumindest ging es dort entsprechend geschäftig und (für den Außenstehenden) unübersichtlich zu.

Als Mitglied zweier Lorenzer Chöre hatte ich die Möglichkeit, beide Übertragungen inklusive der dazugehörigen Generalproben vor Ort mitzuerleben. Der Bachchor gestaltete den Gottesdienst am Gründonnerstag, das Vokalensemble umrahmte die Osternacht musikalisch. Mit den Ergebnissen bin ich zwar wie nachfolgend noch beschrieben nicht 100%ig glücklich, jedoch war der Einblick in die Abläufe hinter einer solchen Live-Produktion doch sehr interessant und aufschlussreich.

Zunächst war am Abend des Mittwochs eine „Generalprobe” für den gesamten Ablauf des Gründonnerstags-Gottesdienstes angesetzt. Das bedeutete konkret: Sämtliche Beteiligten, die Geistlichen, Musiker, der Chor, die Kameraleute und Techniker, Abendmahlshelfer – kurzum: alle, die an der Feier beteiligt sein sollten, fanden sich in der Kirche ein und probten den Gottesdienst. Und zwar komplett: Inklusive aller Gebete und Gesänge, inklusive der Predigt, sogar die Abendmahlsausteilung wurde simuliert, indem die Geistlichen und die Helfer nicht existierendes Brot und Wein an nicht existierende Gläubige weiterreichten. Auf den ersten Blick etwas skurril, das ganze (btw: Noch skurriler wurde es dann bei der Generalprobe für die Osternacht am Karfreitag, als sogar die Taufen mit den Eltern der Täuflinge und den Taufkissen geprobt wurden).

Und bereits bei dieser Probe zeigte sich das, was der Diesellog-Thomas bei sich drüben im Zusammenhang mit der Osternacht treffend bemerkt: Wenn das Fernsehen kommt, dann ist es trotz aller Lippenbekenntnisse nicht Gast, sondern es macht die Hausherren zu Gästen und zwängt sie in seine Abläufe. Ein ostentativ schlecht gelaunter Tonmensch und die gehetzt vorbeieilende Regisseurin („Das dauerte alles viel zu lang!”) ließen daran schon mal keinen Zweifel aufkommen. Verschiedene Fernsehleute, die je nach Gusto die der Generalprobe vorausgehenden Proben des Chores unterbrachen, vervollständigten dieses Bild.

Die bei der Generalprobe festgestellten Zeitüberschreitungen behob man kurzerhand durch das Streichen mehrerer Strophen bei den Gemeindeliedern für den Gottesdienst, der am darauffolgenden Tag auch recht unspektakulär über die Bühne ging. Nachdem ich noch bei keiner Gründonnerstagsliturgie in der Lorenzkirche anwesend war, kann ich nicht beurteilen, ob sich durch die Anwesenheit des Fernsehens große Änderungen bei den Abläufen ergaben.

Merkliche Einschränkungen kündigten sich allerdings für die Osternacht an. Dieser im Jahreskreis zentrale Gottesdienst ist in St. Lorenz üblicherweise eine festliche Angelegenheit, die meist deutlich mehr als drei Stunden dauert und bei der eine große Zahl von Menschen mitwirkt. Die Kirchenmusik zieht bei dieser Veranstaltung normalerweise im sprichwörtlichen Sinne alle Register und bietet neben der Schola, die in den liturgischen Ablauf eingebunden ist, weitere Chöre und Instrumentalisten auf, darüber hinaus gibt es auch mal eine Kunstperformance oder Tänzer zu sehen. Diese Vielfalt war auf den ersten Blick auch heuer zu erwarten: Neben drei Lorenzer Geistlichen und der Schola waren das Vokalensemble, die Kirchenmusiker Matthias Ank und Karsten Leykam, der Schlagzeuger Thilo Heider sowie drei Tänzerinnen an dem Gottesdienst beteiligt. Die Lorenzer Lektoren wurden vom Schauspieler Hannes Seebauer verstärkt. Der Blick auf das Programm versprach also eine dem Anlass angemessene, feierliche Zeremonie. Aber – und jetzt kommt der springende Punkt – eingedampft auf 90 Minuten, die uns das Programmschema des BR übrig ließ.

Eine indirekte Folge dieses Zeitdiktates war die Kürzung unseres Eingangsgesangs, „Aestimatus sun” von Carlo Gesualdo. Man greift willkürlich in das Stück eines der fortschrittlichsten Komponisten seiner Zeit ein und zerhackt es – mit der Begründung, dass man nicht wisse, was man während der viereinhalb Minuten Gesang in der dunklen Kirche filmen solle… Aber damit nicht genug: Das was von diesem Stück noch übrigbleibt, bekommt auch nur die Gemeinde in der Kirche zu hören. Für die Menschen draußen an den Fernsehern ist „Aestimatus sum” die säuselnde Hintergrundmusik für die Worte des Moderators aus dem Off.

Die Einbußen bei der Atmosphäre, die die Anwesenheit des Fernsehteams naturgemäß mit sich brachte, waren nicht minder gravierend. Die Anfangsphase des Gottesdienstes, die üblicherweise in fast vollkommener Dunkelheit vonstatten geht, war durch blaue und orange Scheinwerfer erleuchtet, die zwar dem Fernsehzuschauer eine schöne nächtliche Stimmung auf den Bildschirm zauberten, vor Ort jedoch eine tendenziell gegenteilige Wirkung entfalteten.

Die Sekunden, die man durch das Weglassen von Bestandteilen des Gottesdienstes wie dem Agnus Dei und dem obligatorischen Händeschütteln nach dem Friedensgruß gewann, nutzte man übrigens, um am Schluss der Übertragung minutenlang das vor dem Westportal entfachte Osterfeuer zu filmen.

Mein Fazit habe ich bereits unter dem oben verlinkten Beitrag im Diesellog vermerkt: Es ist nett, sich mal selbst im TV zu sehen und es ist interessant, zumindest einen Teil der Abläufe hinter den Kulissen einer solchen Produktion mitzuerleben. Aber für die nächsten 25 Jahre brauche ich so etwas nicht mehr.

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Theater, die zweite…

Sonntag, 28. März 2010 21:39

Nachdem ich bereits im letzten Jahr die Aufführung der Theatergruppe des Nürnberger Willstätter Gymnasiums als Fotograf begleitet habe und alle Beteiligten, inklusive mir selbst, mit den Ergebnissen dieses Projektes hoch zufrieden waren, war es schon fast eine logische Schlussfolgerung, dass ich auch heuer wieder mit von der Partie bin. Im Gegensatz zum letzten Jahr war ich dieses Mal nicht nur bei einer Aufführung dabei, sondern habe auch bereits die Generalprobe dokumentiert.
Ich bin jedes Mal wieder von der engagierten und professionellen Arbeit der Schülerinnen und Schüler begeistert und ich denke/hoffe/glaube, dass sich sowohl meine Begeisterung als auch die harte Arbeit, die die Schul-Schauspieler in ihr Theaterprojekt stecken, in meinen Fotos widerspiegeln.

Generalprobe der Theatergruppe des Willstätter Gymnasiums

Eine Übersicht aller Fotos, die ich für die Truppe erstellt habe, findet sich in dieser Sammlung bei Flickr. Zu den beiden Alben (einmal die Aufnahmen des letzten Jahres, einmal die von der Generalprobe) wird demnächst noch ein drittes hinzukommen, das die Fotos von der Aufführung am vergangenen Donnerstag zeigt.

Bei aller Bescheidenheit: Reinschauen lohnt sich :-)

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Mal wieder auf dem Johannisfriedhof

Sonntag, 21. März 2010 20:44

Die Nürnberger Innenstadt versank heute mutmaßlich in Menschenmassen (verkaufsoffener Sonntag). Außerdem hatte ich Besuch und bei solchen Gelegenheiten zeige ich immer gerne schöne Ecken meiner Heimatstadt, die etwas abseits von den ausgetretenen Touristenpfaden liegen. Außerdem wollte ich das passable Frühlingswetter nutzen, um ein wenig zu fotografieren. Bei diesen drei Voraussetzungen ist es schon fast folgerichtig, dass man auf dem Johannisfriedhof landet.



Johannisfriedhof revisited


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Konzerthinweis (V)

Mittwoch, 17. März 2010 22:19

Ja, ich weiß – ich bin spät dran. Vielleicht findet sich in meiner kleinen Leserschaft aber doch jemand, der am Samstag noch nichts vorhat und gute Musik hören will:
Mozart Requiem Konzertplakat

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Ceterum censeo

Sonntag, 7. März 2010 21:29

Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Entwickler von LilyPond ihre Software nur kreiert haben, um mir zu zeigen, dass ich eigentlich keine Ahnung habe… Ich habe mir zwar für meinen ersten Versuch kein wirklich leichtes Beispiel ausgesucht, aber eineinhalb Stunden für das Setzen von vier Takten Orgelbegleitung ist ein ganz schlechter Schnitt :-) Nichtsdestotrotz kämpfe ich weiter… Solltet Ihr also in den nächsten 8-10 Monaten nichts von mir hören, dann wißt Ihr, wieso.

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Jahresprogramm St. Lorenz

Samstag, 6. März 2010 18:40

Zur Information meiner kulturinteressierten Leserschaft und auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn :-) hier ein Link zur PDF-Version des Jahresprogramms der Lorenzer Kirchenmusik für 2010:
http://www.lorenzkirche.citykirche-magazin.de/images/stories/pdf/jahresprog-2010.pdf

Der „niederschmetternd vielseitige”*) Lorenzkantor Matthias Ank hat auch heuer wieder eine reichhaltige Auswahl aus hörens- und sehenswertem zusammengetragen, bei der bestimmt für viele etwas dabei ist.

PS: Das Foto auf Seite 4 des Programms habe natürlich ich gemacht :-)

*) Das Zitat stammt nicht von mir, sondern aus einem Artikel der Nürnberger Zeitung anlässlich der Verleihung des Preises der Stadt Nürnberg 2009.

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Einen etwas anderen Blick auf Nürnberg…

Donnerstag, 25. Februar 2010 22:27

…gewährt das Weblog Sugar Ray Banister. Obwohl ich mich nicht so ganz mit der leicht schwarzmalerischen Sichtweise des Autors identifizieren kann, halte ich die dort zusammengestellten Texte und Bilder für sehr lesens- bzw. sehenswert und möchte Euch einen Blick darauf sehr ans Herz legen.

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Kulinarisch-musikalisch

Sonntag, 21. Februar 2010 23:01

Gestern habe ich ein Konzert des nederlands studenten kamerkoor in der Nürnberger Frauenkirche besucht. Und dort konnte man gar wunderliche Dinge erleben. Hat jemand von Euch schon mal einen Dirigenten während des Auftritts einen Müsliriegel verspeisen sehen? Nein? Dann hättet ihr gestern dabei sein sollen. Dort ist nämlich genau das passiert. Aber der Reihe nach:

Die jungen Sänger aus dem Nachbarland hatten ihr Programm unter das Thema „Butterfly Dreams” gestellt. Dabei handelt es sich um den Titel eines Stücks von John Tavener, das auch auf dem Programm stand.

Die launige Anmoderation von einem der Chormitglieder bereitete das Publikum in groben Zügen auf das Konzert vor. Man habe das Motto „Butterfly Dreams” kurzerhand in seine drei Bestandteile butter, fly und dreams zerlegt und wolle sich daher unter den Punkten fly und dream zunächst mit geistlichem und vergeistigtem beschäftigen, um dann zum Schluss den butter, also die Gaumenfreuden, abhandeln.
Das Publikum durfte also gespannt sein, was da zu erwarten war.

Bereits mit dem ersten Stück, „Drang naar schoonheid” (dt. „Verlangen nach Schönheit”) von Jos de Klerk, hatte mich die etwa 40köpfige Truppe auf ihrer Seite. In dreigeteilter Aufstellung, mit zwei kleinen Sängergruppen rechts und links im Kirchenschiff sowie dem Großteil des Chores vorne, füllten die jungen Niederländer den Raum der altehrwürdigen Frauenkirche mit einem wunderbar sauberen, intonationssicheren und weichen Chorklang. Das nächste Werk stammte von Arvo Pärt. Wenn es um zeitgenössische geistliche Chormusik geht, ist der Este nicht mehr aus den Programmen wegzudenken. So auch hier. Der Studentenchor hatte sich aus dem reichhaltigen geistlichen Vokalwerk des Komponisten das Stück „Which was the son of…” herausgesucht. Dabei handelt es sich um eine Vertonung des Stammbaums Jesu, so wie er im Lukasevangelium zu finden ist. Auch hier überzeugten die Holländer.

In der Folge waren Werke von Sinta Wullur, einer aus Indonesien stammenden Niederländerin, und von Vic Nees aus Belgien zu hören.

Nach der anschließenden Pause wies der Moderator des Abends darauf hin, dass jetzt der „experimentelle” Teil des Programms folgen würde. Und da entfaltete der Chor seine ganze Klasse. In „Slaapstad” von Huub de Vriend, der Vertonung eines zeitgeistkritischen Gedichts von Diana Ozon wurde gemurmelt, gerufen, deklamiert und zwischendrin immer wieder mit einer beeindruckenden Intonationssicherheit gesungen. Das nun folgende „Butterfly Dreams” das namensgebende Stück des Abends, kam ohne derlei Effekte aus. Die sieben Gedichte aus den unterschiedlichsten Epochen und Kulturkreisen, die von Tavener in einer beeindruckenden Schlichtheit vertont wurden, brachten die Niederländer ebenso beeindruckend zu Gehör. Zwei Damen aus dem Ensemble durften dabei auch noch ihre solistischen Qualitäten überzeugend unter Beweis stellen.

Dann war es soweit: Der butter-Teil des Konzertes war gekommen und der Chor widmete sich mit sichtlicher Freude den vertonten lukullischen Genüssen.

Zunächst war das Stück „Daar wel, een bergwandeling” (Da schon, eine Bergwanderung) zu hören. In dem vierteiligen Werk spielte das Essen zwar nur eine Nebenrolle, wurde aber nichtsdestotrotz genussvoll praktiziert. Der erste Teil beschrieb unter Verwendung von Beatboxing-Technik und Fingerschnipsen den Weg bergauf. Am Beginn des zweiten Teils drehte sich der Dirigent um, packte (als Teil der Performance) einen Müsliriegel aus und verspeiste ihn vor den Augen des Publikums, während der Chor hinter ihm rhythmisch Schmatzgeräusche anstimmte und die Gipfelbrotzeit musikalisch umschrieb.
Im folgenden Teil widmete man sich der Natur, dabei gab es sogar mongolische Gesangstechniken zu hören. Im letzten Teil sinniert der Protagonist des Stücks, nun wieder in die Niederlande zurückgekehrt, über alles was dort in der Freiheit Kanadas möglich ist, in den heimischen Niederlanden, eingezwängt in die alltäglichen Abläufe, aber nicht. Musikalisch wurde das durch die Wiederholung der Textzeile „Kan niet mag niet zal niet” (Geht nicht, darf nicht, wird nicht…) deutlich gemacht.

Den Abschluss des Programms bildete Bob Chilcotts „Fragments from his dish”. Der ehemalige King’s Singer vertont in diesem Stück auf launige Art und Weise verschiedene Texte, die sich mit dem Essen beschäftigen. Und ebenso launig und gewohnt souverän brachten die jungen Sänger dieses Werk zu Gehör.

Als Intermezzi zwischen den einzelnen Werken waren die „Metamorphoses” von Bejamin Britton für Oboe zu hören.

Fazit: Ein kurzweiliger Abend auf musikalisch höchstem Niveau. Hoffentlich kommen die Niederländer mal wieder nach Franken!

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Surface

Freitag, 12. Februar 2010 5:50

Und wenn ich mal gaaanz viel Geld übrig habe, dann kaufe ich mir so ein Teil:

Microsoft Local Impact Map: Surface Edition from Stimulant on Vimeo.

Der Microsoft Surface-Tisch. Gibt’s zwar schon ein paar Tage, aber beeindruckt mich jedes Mal wieder. Ich hatte mal das Glück, so ein Gerät in der MS-Deutschland-Zentrale in Unterschleißheim in natura zu sehen. Ein echt cooles Gadget.

via Steve Clayton: Geek in Disguise

Und hier gibt’s eine kleine Demo von dem, was das Teil noch so alles kann.

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Flugsicherheit

Freitag, 5. Februar 2010 17:34

Alle, die auch nur im Entferntesten daran glauben, dass der vielbeschworene „Nacktscanner” (hoppla, das war natürlich politisch unkorrekt, es muss ja „Körperscanner” heißen) einen Sicherheitsgewinn im Flugverkehr bringt, seien herzlich dazu eingeladen, das hier verlinkte Video anzusehen. Alle anderen natürlich auch.

Für die, deren Italienisch ähnlich eingerostet ist wie das meine, steht da noch einmal eine Zusammenfassung auf Deutsch.

(via tagesschau.de)

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